Donnerstag, 3. Juli 2014

Du bisch Italiener wenn... Sei italiano se...

Seit sich mir eines Sonntagabends im Mai die Italianità sozusagen unverhofft vor die Füsse geworfen hat, und diese seither kaum mehr von meiner Seite weicht, bekomme ich auf FB Gruppenbeitrittsvorschläge, über die ich mich sehr amüsiere. Damit alle wissen, in welchem Gemütszustand ich mich gerade befinde sei an dieser Stelle erwähnt, dass ich seit besagtem Sonntagabend im Mai bis zum heutigen Tag schon ungefähr so viel gelacht habe wie vielleicht früher in einem ganzen halben Jahr. Dies zur allgemeinen Info. Zurück zu den Gruppenvorschlägen, die «Single a Zurigo e dintorni», «Italiani a Zurigo», «Italiani nel Mondo!», «Fashion Is Passion», «La Notte» und eben «Du bisch Italiener wenn... Sei italiano se...» heissen. Ich entscheide mich aus mir selber noch schleierhaften Gründen für letztere Gruppe, trete ihr bei und nach ein paar Stunden auch gleich wieder aus. Hätte die Gruppe nicht rund 11'000 aktive Mitglieder (Betonung auf «aktive») wäre ich vielleicht noch ein paar Stunden länger geblieben. Die Frauen heissen entweder Genny, Nensi, Giusi, Debora oder Alessia. Die Männer Ivan, Diego, Fabjo, Gerry oder Ken. Wirklich wahr. Sie schreiben sich auch so. Ehrenwort. Ach und die meisten Profilfotos sind photogeshoppt. Aber schauen wir doch, was in der Gruppe «Du bisch Italiener wenn... Sei italiano se...» so ausgetauscht wird. Am Morgen begrüsst man sich und wünscht einander (11'000 aktive Gruppenmitglieder!) einen schönen Tag. Fein. So um die Mittagszeit herum, insbesondere an einem Sonntag, teilt man einander mit, was man gerade gegessen hat oder essen wird. Zwischendurch gibt man Fussballkommentare ab. Ja, doch. Kann man machen. Bietet sich ja auch gerade so schön an. Die, die nichts essen und auch kein Fussball gucken berichten lustige Dinge über ihre lustigen Kinder. Und die kinderlosen, aber nicht nur die, stellen Ferienfotos vom Strand ins Netz, auf denen primär die primären und sekundär auch die sekundären Geschlechtsmerkmale zu sehen sind. Sofern diese einigermassen vorzeigbar sind. Leider aber auch wenn sie es nicht sind. Verhüllt natürlich! Was denkt ihr wieder! Sexy muss es doch sein! Ein Wort, das ich meines Wissens im letzten Schulklassenlager aktiv verwendet habe. Was nun auch schon eine ganze Weile her ist. Seit jenem Abend im Mai ist aber «sexy» – genauso unverhofft wie die Italianità – wieder aktiv in meinem Wortschatz aufgetaucht. Das Ganze von einem heftigen Lachanfall begleitet. Ja, danke, es geht mir gut. Ich muss mich einfach selber noch ein bisschen daran gewöhnen.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Ich bin dann mal weg

Das Bild soll für sich sprechen. Texte folgen. Je nachdem wie und ob mich meine Heimweh-Heimat inspiriert.

Donnerstag, 13. März 2014

Suchen Sie etwas? Oder: Dafür liebe ich die Schweizerinnen und Schweizer!


Gut, vielleicht war ich heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit etwas gar zu verträumt und/oder im italienischen Schlendergang unterwegs. Strahlt mich doch schon von weitem eine Frau an und fragt freundlich: «Suchen Sie etwas?» Ich schaue sie etwas irritiert an, worauf sie ihre Frage wiederholt. Ach so. Sie hält mich für eine Touristin. Ich muss die Frau enttäuschen. Ich suche nichts, ich lebe da.
Schweizerinnen und Schweizer lieben es, anderen etwas zu erklären oder zu zeigen. Freunde aus dem Ausland kann ich deshalb getrost ein paar Stunden alleine in der Stadt herumziehen lassen. Sie finden sich immer zurecht, fragen die absurdesten Dinge und erhalten stets freundlich und falls gewünscht auch mehrsprachig Auskunft. Ich habe es schon selber getestet: Kaum verlangsame ich meinen Schritt oder bleibe stehen und krame ein bisschen in meiner Handtasche rum fragt mich prompt jemand, ob ich Hilfe brauche, einen Weg suche ... Dafür liebe ich die Schweizerinnen und Schweizer! Ich finde, das soll auch mal gesagt sein. Damit nach dem letzten Abstimmungsresultat auch die andere Hälfte der Bevölkerung ein Gesicht bekommt. Fortsetzung folgt.

Sonntag, 23. Februar 2014

Über die Grenzen trägt uns ein Lied mit sich fort


Nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wird die Schweiz in Brüssel schwierige Verhandlungen führen müssen. Ich habe seit dem 9. Februar zahlreiche Diskussionen mitverfolgt, Artikel gelesen und dabei viele Male den Kopf geschüttelt und mich geärgert ... 
Mein Beitrag zum Thema Masseneinwanderung soll heute ein Lied sein. Ein Lied von Pippo Pollina. Kein Secondo, sondern ein Italiener aus Sizilien, der sich vor vielen Jahren die Schweiz als Wahlheimat ausgesucht hat. Er singt das Lied zusammen mit Konstantin Wecker, einem deutschen uns allen bekannten Musiker. Immer Mal wieder singen sie dieses Lied zusammen. Es heisst ganz einfach Terra.
Über die Grenzen tragen uns Kunst, Literatur und Musik. Die Politik schafft das leider nicht. Obwohl es auch eine ihrer Aufgaben wäre.
Hört euch das Lied hier an:  http://www.youtube.com/watch?v=7EA1AXjmPLE

Sonntag, 9. Februar 2014

Das Volk hat JA gesagt


Das definitive Resultat, in einem Café in Zürich per iPhone abgefragt, hat mir Tränen der Wut und der Enttäuschung in die Augen getrieben. Die Schweiz hat heute wieder einmal ein Zeichen der Fremdenfeindlichkeit nach Europa ausgesandt. Natürlich ist das Thema für mich persönlich emotional geladen. Und ein Volksentscheid ist ein Volksentscheid, das muss man akzeptieren und wird nun auf allen Kanälen und in allen Interviews wie ein Mantra runtergebetet. Trotzdem. Das Wahlresultat hätte anders aussehen können.

Ich empfinde Wut und ich bin enttäuscht. Von allen, die wieder einmal nicht abstimmen waren und sich nun heute oder spätestens morgen früh beim Zeitung lesen verwundert die Augen reiben. Nicht abstimmen gehen, sich nicht um die eigenen Rechte kümmern, so etwas passiert nur in einem reichen Land. Ist doch egal, man hat ja in seinem eigenen beschaulichen Mikrokosmos alles, was man braucht. Und die in Bern machen sowieso was sie wollen. Ja, aber dann über die Parteien, egal ob links oder rechts, am Stammtisch, in der Bar und an der Party zünftig herziehen. Hallo?

Ich empfinde Wut und ich bin enttäuscht. Von vielen Secondas und Secondos, die wie ich hier in der Schweiz geboren wurden und sich immer noch nicht die Mühe gemacht haben, bei der Wohngemeinde die Einbürgerungspapiere zu bestellen. Ihr Lieben, das heutige JA wird euch früher oder später schmerzlich treffen. Denn das heutige JA bedeutet auch, dass Schweizerinnen und Schweizer künftig bei der Arbeitsvergabe bevorzugt werden. Da nützt es euch nichts, hier zur Schule gegangen zu sein und die beste Ausbildung genossen zu haben. Ohne Schweizer Pass, nix mehr gute Stelle. So einfach wird das jetzt in Zukunft gehandhabt werden. Nicht gewusst? Sich bis jetzt nicht interessiert? Dumm gelaufen.
Bewegt euch endlich, bürgert euch ein, nehmt das Wahlrecht wahr. Bestimmt in dem Land, in dem ihr euer Leben verbringt mit! Wären alle Secondas und Secondos eingebürgert, und auch alle anderen, die schon seit Jahrzehnten hier leben und arbeiten, dann hätte das heutige Wahlresultat bestimmt anders ausgesehen. Sofern diese dann alle an die Urnen gegangen wären. Davon bin ich überzeugt. Es fehlten ja bloss 19'500 Stimmen ...

Wieso das Foto mit den Kartoffeln? Nun ja, wenn alle Masseneingewanderten in Massen wieder auswandern würden, hätten wir kein ÖV-Problem mehr, die Wohnungsmieten würden sinken und die zubetonierten Grünflächen könnten von der Hälfte der Schweizer Bevölkerung, die heute JA gesagt hat, wieder begrünt und zum Beispiel mit Kartoffeln bepflanzt werden. Für einen noch grösser werdenden Röstigraben.

PS: Alle nicht eingebürgerten Secondas und Secondos dürften natürlich nicht auswandern, sie müssten zur Strafe beim Kartoffeln pflanzen mithelfen.

PPS: Natürlich bin ich polemisch. Natürlich regt es mich auf. Ich bin eine hitzköpfige Italienerin mit Schweizer Pass und mit politischem Bewusstsein. Darauf bin ich - ganz Italienerin - stolz.

Sonntag, 2. Februar 2014

Geht nächstes Wochenende an die Urnen!


Ihr wisst schon, um welche Volksinitiative es mir geht. 

Gerade wegen der vielen Einwanderer konnte sich der ehemalige Agrarstaat Schweiz zu einem der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt entwickeln. Mehr will ich dazu nicht sagen. Die ganze Diskussion macht mich nur noch müde.


Schön und bestimmt auch tourismusfördernd wäre mal eine Plakatkampagne mit Apfelbaum und einem fetten «DANKE, liebe Einwanderinnen und Einwanderer! Ohne euch hätten wir es nie geschafft!».