Dies ist eine Art Tagebuch über mein Leben als Seconda in der Schweiz. Mit Abstechern in die Vergangenheit, Gedanken und Erlebnissen zu Identität und Heimat. Ein Tanz zwischen den Kulturen, der manchmal auch auf Reisen stattfindet.
Montag, 5. Mai 2014
Donnerstag, 1. Mai 2014
Ich bin dann mal weg
Das Bild soll für sich sprechen. Texte folgen. Je nachdem wie und ob mich meine Heimweh-Heimat inspiriert.
Donnerstag, 13. März 2014
Suchen Sie etwas? Oder: Dafür liebe ich die Schweizerinnen und Schweizer!
Gut, vielleicht war ich heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit etwas gar zu verträumt und/oder im italienischen Schlendergang unterwegs. Strahlt mich doch schon von weitem eine Frau an und fragt freundlich: «Suchen Sie etwas?» Ich schaue sie etwas irritiert an, worauf sie ihre Frage wiederholt. Ach so. Sie hält mich für eine Touristin. Ich muss die Frau enttäuschen. Ich suche nichts, ich lebe da.
Schweizerinnen
und Schweizer lieben es, anderen etwas zu erklären oder zu zeigen. Freunde aus
dem Ausland kann ich deshalb getrost ein paar Stunden alleine in der Stadt
herumziehen lassen. Sie finden sich immer zurecht, fragen die absurdesten Dinge
und erhalten stets freundlich und falls gewünscht auch mehrsprachig Auskunft.
Ich habe es schon selber getestet: Kaum verlangsame ich meinen Schritt oder
bleibe stehen und krame ein bisschen in meiner Handtasche rum fragt mich prompt
jemand, ob ich Hilfe brauche, einen Weg suche ... Dafür liebe ich die
Schweizerinnen und Schweizer! Ich finde, das soll auch mal gesagt
sein. Damit nach dem letzten Abstimmungsresultat auch die andere Hälfte der
Bevölkerung ein Gesicht bekommt. Fortsetzung folgt.
Sonntag, 23. Februar 2014
Über die Grenzen trägt uns ein Lied mit sich fort
Nach
der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wird die Schweiz in Brüssel schwierige
Verhandlungen führen müssen. Ich habe seit dem 9. Februar zahlreiche Diskussionen
mitverfolgt, Artikel gelesen und dabei viele Male den Kopf geschüttelt und mich
geärgert ...
Mein
Beitrag zum Thema Masseneinwanderung soll heute ein Lied sein. Ein Lied von Pippo
Pollina. Kein Secondo, sondern ein Italiener aus Sizilien, der sich vor vielen
Jahren die Schweiz als Wahlheimat ausgesucht hat. Er singt das Lied zusammen
mit Konstantin Wecker, einem deutschen uns allen bekannten Musiker. Immer Mal wieder
singen sie dieses Lied zusammen. Es heisst ganz einfach Terra.
Über die Grenzen tragen uns Kunst, Literatur und Musik. Die Politik schafft das leider nicht. Obwohl es auch eine ihrer Aufgaben wäre.
Über die Grenzen tragen uns Kunst, Literatur und Musik. Die Politik schafft das leider nicht. Obwohl es auch eine ihrer Aufgaben wäre.
Hört euch das Lied hier an:
http://www.youtube.com/watch?v=7EA1AXjmPLE
Sonntag, 9. Februar 2014
Das Volk hat JA gesagt
Das
definitive Resultat, in einem Café in Zürich per iPhone abgefragt, hat mir
Tränen der Wut und der Enttäuschung in die Augen getrieben. Die Schweiz hat
heute wieder einmal ein Zeichen der Fremdenfeindlichkeit nach Europa ausgesandt.
Natürlich ist das Thema für mich persönlich emotional geladen. Und ein
Volksentscheid ist ein Volksentscheid, das muss man akzeptieren und wird nun
auf allen Kanälen und in allen Interviews wie ein Mantra runtergebetet.
Trotzdem. Das Wahlresultat hätte anders aussehen können.
Ich
empfinde Wut und ich bin enttäuscht. Von allen, die wieder einmal nicht abstimmen
waren und sich nun heute oder spätestens morgen früh beim Zeitung lesen verwundert
die Augen reiben. Nicht abstimmen gehen, sich nicht um die eigenen Rechte
kümmern, so etwas passiert nur in einem reichen Land. Ist doch egal, man hat ja
in seinem eigenen beschaulichen Mikrokosmos alles, was man braucht. Und die in Bern
machen sowieso was sie wollen. Ja, aber dann über die Parteien, egal ob links
oder rechts, am Stammtisch, in der Bar und an der Party zünftig herziehen. Hallo?
Ich
empfinde Wut und ich bin enttäuscht. Von vielen Secondas und Secondos, die wie ich
hier in der Schweiz geboren wurden und sich immer noch nicht die Mühe gemacht
haben, bei der Wohngemeinde die Einbürgerungspapiere zu bestellen. Ihr Lieben,
das heutige JA wird euch früher oder später schmerzlich treffen. Denn das
heutige JA bedeutet auch, dass Schweizerinnen und Schweizer künftig bei der
Arbeitsvergabe bevorzugt werden. Da nützt es euch nichts, hier zur Schule
gegangen zu sein und die beste Ausbildung genossen zu haben. Ohne Schweizer
Pass, nix mehr gute Stelle. So einfach wird das jetzt in Zukunft gehandhabt werden. Nicht
gewusst? Sich bis jetzt nicht interessiert? Dumm gelaufen.
Bewegt
euch endlich, bürgert euch ein, nehmt das Wahlrecht wahr. Bestimmt in dem Land,
in dem ihr euer Leben verbringt mit! Wären alle Secondas und Secondos eingebürgert,
und auch alle anderen, die schon seit Jahrzehnten hier leben und arbeiten, dann
hätte das heutige Wahlresultat bestimmt anders ausgesehen. Sofern diese dann alle an
die Urnen gegangen wären. Davon bin ich überzeugt. Es fehlten ja bloss 19'500 Stimmen
...
Wieso
das Foto mit den Kartoffeln? Nun ja, wenn alle Masseneingewanderten in Massen wieder
auswandern würden, hätten wir kein ÖV-Problem mehr, die Wohnungsmieten würden
sinken und die zubetonierten Grünflächen könnten von der Hälfte der Schweizer
Bevölkerung, die heute JA gesagt hat, wieder begrünt und zum Beispiel mit
Kartoffeln bepflanzt werden. Für einen noch grösser werdenden Röstigraben.
PS:
Alle nicht eingebürgerten Secondas und Secondos dürften natürlich nicht
auswandern, sie müssten zur Strafe beim Kartoffeln pflanzen mithelfen.
PPS:
Natürlich bin ich polemisch. Natürlich regt es mich auf. Ich bin eine
hitzköpfige Italienerin mit Schweizer Pass und mit politischem Bewusstsein.
Darauf bin ich - ganz Italienerin - stolz.
Sonntag, 2. Februar 2014
Geht nächstes Wochenende an die Urnen!
Ihr
wisst schon, um welche Volksinitiative es mir geht.
Gerade wegen der vielen Einwanderer
konnte sich der ehemalige Agrarstaat Schweiz zu einem der wettbewerbsfähigsten
Länder der Welt entwickeln. Mehr will ich dazu nicht sagen. Die ganze
Diskussion macht mich nur noch müde.
Schön
und bestimmt auch tourismusfördernd wäre mal eine Plakatkampagne mit Apfelbaum und
einem fetten «DANKE, liebe Einwanderinnen und Einwanderer! Ohne euch hätten wir
es nie geschafft!».
Mittwoch, 25. Dezember 2013
Das ist keine Weihnachtsgeschichte
Eigentlich
wollte ich euch schon vor Tagen erzählen, wie das damals so war. Mit den
italienisch-schweizerischen Weihnachtsfeiern meiner Kindheit. Mit Anisbrötli
und Panettone. Mit den Vorbereitungen, der speziellen Stimmung, dem
Kerzenschein und der ganzen Aufregung vor der Bescherung. Dann aber kam alles
anders. Pünktlich zur Adventszeit haben diverse Animositäten unter uns
Geschwistern dazu geführt, dass ich dieses Jahr Weihnachten alleine verbracht
habe.
Weihnachten,
das Fest der Liebe, das im Kreise der Familie gefeiert wird. Darüber hatte ich jetzt
viel Zeit nachzudenken. Es war alles in allem schon etwas seltsam. So ganz alleine.
Zwischendurch auch ein bisschen traurig und einsam. Obwohl ich mir im letzten
Moment noch frische Tannenzweige besorgt hatte, den Kühlschrank ein wenig mehr
als sonst üblich gefüllt hatte und es mir an guten, noch ungelesenen Büchern
nicht mangelt.
Als
Kind liebte ich es, am Weihnachtsmorgen, wenn alle noch schliefen, im Nachthemd
in die Stube zu schleichen und den Duft des Tannenbaumes einzuatmen, den meine
Eltern am Vorabend heimlich für uns geschmückt hatten. Mich in den roten
Weihnachtskugeln zu spiegeln und nach den Engeln Ausschau zu halten, die meiner
Meinung nach zwischen den Tannenzweigen wohnten. Das Jesuskind interessierte
mich nicht. Es schaute immer so traurig aus. Für uns geboren und für uns
gestorben, erklärten sie mir. Das begriff ich nicht. Und ich mochte auch nicht
in Kirchen geführt werden, um dort lebensgrosse Krippenfiguren zu bestaunen. Ich
hätte viel lieber das Fell eines lebendigen Esels gestreichelt.
Das
Fest der Liebe im Kreis der Familie machte damals, mit meinen Tanten und
Onkeln, Cousins und Cousinen, noch Sinn. Alle zusammen, am grossen, langen Esstisch.
Wir Kinder, separat an einem kleinen Tisch, bekamen an Weihnachten nebst allen
möglichen Süssgetränken auch ein Glas Wasser mit einem Spritzer Wein. Das
Wasser färbte sich rosa und wir fühlten uns erwachsen. Es waren stets fröhliche
Weihnachtsfeiern. Irgendwann wurden sie traurig. Ich kann heute nicht mehr so genau
festmachen, woran das lag. Vielleicht weil jemand aus der gewohnten Runde
starb, ein paar andere wegzogen und vielleicht auch weil sich im Laufe der
Jahre andere Konstellationen ergaben. Freunde, Verlobte und Ehemänner kamen
dazu und gingen wieder. Das machte die Feiern nicht fröhlicher. Im Gegenteil. Und
heute? Wir, die Kernfamilie, sind alle noch da, schaffen es aber nicht, uns an Weihnachten
gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Das macht mich traurig. Nicht nur an
Weihnachten.
Im
Grunde genommen würde ich Weihnachten mögen. Sehr sogar. Wenn es wieder so sein
könnte wie damals. An einem langen Tisch, mit vielen verschiedenen Gerichten, roten
Weihnachtskugeln und Engeln, die in Weihnachtsbäumen wohnen. Manchmal stelle
ich es mir vor. Auch im Hochsommer. Dazu brauche ich nur mein kleines
Apothekerglas zu öffnen, das ganzjährig mit frischem Sternanis gefüllt auf
meiner Küchenablage steht. Sternanis duftet nach Weihnachten. Egal, wo ich mich
gerade auf der Welt befinde.
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