Donnerstag, 13. März 2014

Suchen Sie etwas? Oder: Dafür liebe ich die Schweizerinnen und Schweizer!


Gut, vielleicht war ich heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit etwas gar zu verträumt und/oder im italienischen Schlendergang unterwegs. Strahlt mich doch schon von weitem eine Frau an und fragt freundlich: «Suchen Sie etwas?» Ich schaue sie etwas irritiert an, worauf sie ihre Frage wiederholt. Ach so. Sie hält mich für eine Touristin. Ich muss die Frau enttäuschen. Ich suche nichts, ich lebe da.
Schweizerinnen und Schweizer lieben es, anderen etwas zu erklären oder zu zeigen. Freunde aus dem Ausland kann ich deshalb getrost ein paar Stunden alleine in der Stadt herumziehen lassen. Sie finden sich immer zurecht, fragen die absurdesten Dinge und erhalten stets freundlich und falls gewünscht auch mehrsprachig Auskunft. Ich habe es schon selber getestet: Kaum verlangsame ich meinen Schritt oder bleibe stehen und krame ein bisschen in meiner Handtasche rum fragt mich prompt jemand, ob ich Hilfe brauche, einen Weg suche ... Dafür liebe ich die Schweizerinnen und Schweizer! Ich finde, das soll auch mal gesagt sein. Damit nach dem letzten Abstimmungsresultat auch die andere Hälfte der Bevölkerung ein Gesicht bekommt. Fortsetzung folgt.

Sonntag, 23. Februar 2014

Über die Grenzen trägt uns ein Lied mit sich fort


Nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wird die Schweiz in Brüssel schwierige Verhandlungen führen müssen. Ich habe seit dem 9. Februar zahlreiche Diskussionen mitverfolgt, Artikel gelesen und dabei viele Male den Kopf geschüttelt und mich geärgert ... 
Mein Beitrag zum Thema Masseneinwanderung soll heute ein Lied sein. Ein Lied von Pippo Pollina. Kein Secondo, sondern ein Italiener aus Sizilien, der sich vor vielen Jahren die Schweiz als Wahlheimat ausgesucht hat. Er singt das Lied zusammen mit Konstantin Wecker, einem deutschen uns allen bekannten Musiker. Immer Mal wieder singen sie dieses Lied zusammen. Es heisst ganz einfach Terra.
Über die Grenzen tragen uns Kunst, Literatur und Musik. Die Politik schafft das leider nicht. Obwohl es auch eine ihrer Aufgaben wäre.
Hört euch das Lied hier an:  http://www.youtube.com/watch?v=7EA1AXjmPLE

Sonntag, 9. Februar 2014

Das Volk hat JA gesagt


Das definitive Resultat, in einem Café in Zürich per iPhone abgefragt, hat mir Tränen der Wut und der Enttäuschung in die Augen getrieben. Die Schweiz hat heute wieder einmal ein Zeichen der Fremdenfeindlichkeit nach Europa ausgesandt. Natürlich ist das Thema für mich persönlich emotional geladen. Und ein Volksentscheid ist ein Volksentscheid, das muss man akzeptieren und wird nun auf allen Kanälen und in allen Interviews wie ein Mantra runtergebetet. Trotzdem. Das Wahlresultat hätte anders aussehen können.

Ich empfinde Wut und ich bin enttäuscht. Von allen, die wieder einmal nicht abstimmen waren und sich nun heute oder spätestens morgen früh beim Zeitung lesen verwundert die Augen reiben. Nicht abstimmen gehen, sich nicht um die eigenen Rechte kümmern, so etwas passiert nur in einem reichen Land. Ist doch egal, man hat ja in seinem eigenen beschaulichen Mikrokosmos alles, was man braucht. Und die in Bern machen sowieso was sie wollen. Ja, aber dann über die Parteien, egal ob links oder rechts, am Stammtisch, in der Bar und an der Party zünftig herziehen. Hallo?

Ich empfinde Wut und ich bin enttäuscht. Von vielen Secondas und Secondos, die wie ich hier in der Schweiz geboren wurden und sich immer noch nicht die Mühe gemacht haben, bei der Wohngemeinde die Einbürgerungspapiere zu bestellen. Ihr Lieben, das heutige JA wird euch früher oder später schmerzlich treffen. Denn das heutige JA bedeutet auch, dass Schweizerinnen und Schweizer künftig bei der Arbeitsvergabe bevorzugt werden. Da nützt es euch nichts, hier zur Schule gegangen zu sein und die beste Ausbildung genossen zu haben. Ohne Schweizer Pass, nix mehr gute Stelle. So einfach wird das jetzt in Zukunft gehandhabt werden. Nicht gewusst? Sich bis jetzt nicht interessiert? Dumm gelaufen.
Bewegt euch endlich, bürgert euch ein, nehmt das Wahlrecht wahr. Bestimmt in dem Land, in dem ihr euer Leben verbringt mit! Wären alle Secondas und Secondos eingebürgert, und auch alle anderen, die schon seit Jahrzehnten hier leben und arbeiten, dann hätte das heutige Wahlresultat bestimmt anders ausgesehen. Sofern diese dann alle an die Urnen gegangen wären. Davon bin ich überzeugt. Es fehlten ja bloss 19'500 Stimmen ...

Wieso das Foto mit den Kartoffeln? Nun ja, wenn alle Masseneingewanderten in Massen wieder auswandern würden, hätten wir kein ÖV-Problem mehr, die Wohnungsmieten würden sinken und die zubetonierten Grünflächen könnten von der Hälfte der Schweizer Bevölkerung, die heute JA gesagt hat, wieder begrünt und zum Beispiel mit Kartoffeln bepflanzt werden. Für einen noch grösser werdenden Röstigraben.

PS: Alle nicht eingebürgerten Secondas und Secondos dürften natürlich nicht auswandern, sie müssten zur Strafe beim Kartoffeln pflanzen mithelfen.

PPS: Natürlich bin ich polemisch. Natürlich regt es mich auf. Ich bin eine hitzköpfige Italienerin mit Schweizer Pass und mit politischem Bewusstsein. Darauf bin ich - ganz Italienerin - stolz.

Sonntag, 2. Februar 2014

Geht nächstes Wochenende an die Urnen!


Ihr wisst schon, um welche Volksinitiative es mir geht. 

Gerade wegen der vielen Einwanderer konnte sich der ehemalige Agrarstaat Schweiz zu einem der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt entwickeln. Mehr will ich dazu nicht sagen. Die ganze Diskussion macht mich nur noch müde.


Schön und bestimmt auch tourismusfördernd wäre mal eine Plakatkampagne mit Apfelbaum und einem fetten «DANKE, liebe Einwanderinnen und Einwanderer! Ohne euch hätten wir es nie geschafft!».

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Das ist keine Weihnachtsgeschichte


Eigentlich wollte ich euch schon vor Tagen erzählen, wie das damals so war. Mit den italienisch-schweizerischen Weihnachtsfeiern meiner Kindheit. Mit Anisbrötli und Panettone. Mit den Vorbereitungen, der speziellen Stimmung, dem Kerzenschein und der ganzen Aufregung vor der Bescherung. Dann aber kam alles anders. Pünktlich zur Adventszeit haben diverse Animositäten unter uns Geschwistern dazu geführt, dass ich dieses Jahr Weihnachten alleine verbracht habe.
Weihnachten, das Fest der Liebe, das im Kreise der Familie gefeiert wird. Darüber hatte ich jetzt viel Zeit nachzudenken. Es war alles in allem schon etwas seltsam. So ganz alleine. Zwischendurch auch ein bisschen traurig und einsam. Obwohl ich mir im letzten Moment noch frische Tannenzweige besorgt hatte, den Kühlschrank ein wenig mehr als sonst üblich gefüllt hatte und es mir an guten, noch ungelesenen Büchern nicht mangelt.
Als Kind liebte ich es, am Weihnachtsmorgen, wenn alle noch schliefen, im Nachthemd in die Stube zu schleichen und den Duft des Tannenbaumes einzuatmen, den meine Eltern am Vorabend heimlich für uns geschmückt hatten. Mich in den roten Weihnachtskugeln zu spiegeln und nach den Engeln Ausschau zu halten, die meiner Meinung nach zwischen den Tannenzweigen wohnten. Das Jesuskind interessierte mich nicht. Es schaute immer so traurig aus. Für uns geboren und für uns gestorben, erklärten sie mir. Das begriff ich nicht. Und ich mochte auch nicht in Kirchen geführt werden, um dort lebensgrosse Krippenfiguren zu bestaunen. Ich hätte viel lieber das Fell eines lebendigen Esels gestreichelt.
Das Fest der Liebe im Kreis der Familie machte damals, mit meinen Tanten und Onkeln, Cousins und Cousinen, noch Sinn. Alle zusammen, am grossen, langen Esstisch. Wir Kinder, separat an einem kleinen Tisch, bekamen an Weihnachten nebst allen möglichen Süssgetränken auch ein Glas Wasser mit einem Spritzer Wein. Das Wasser färbte sich rosa und wir fühlten uns erwachsen. Es waren stets fröhliche Weihnachtsfeiern. Irgendwann wurden sie traurig. Ich kann heute nicht mehr so genau festmachen, woran das lag. Vielleicht weil jemand aus der gewohnten Runde starb, ein paar andere wegzogen und vielleicht auch weil sich im Laufe der Jahre andere Konstellationen ergaben. Freunde, Verlobte und Ehemänner kamen dazu und gingen wieder. Das machte die Feiern nicht fröhlicher. Im Gegenteil. Und heute? Wir, die Kernfamilie, sind alle noch da, schaffen es aber nicht, uns an Weihnachten gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Das macht mich traurig. Nicht nur an Weihnachten.

Im Grunde genommen würde ich Weihnachten mögen. Sehr sogar. Wenn es wieder so sein könnte wie damals. An einem langen Tisch, mit vielen verschiedenen Gerichten, roten Weihnachtskugeln und Engeln, die in Weihnachtsbäumen wohnen. Manchmal stelle ich es mir vor. Auch im Hochsommer. Dazu brauche ich nur mein kleines Apothekerglas zu öffnen, das ganzjährig mit frischem Sternanis gefüllt auf meiner Küchenablage steht. Sternanis duftet nach Weihnachten. Egal, wo ich mich gerade auf der Welt befinde.

Freitag, 13. Dezember 2013

Hinweis zu meinen beiden Blogs mycrazyheart und mycrazyhands

Seit Anfang November wird der Link mit dem Hinweis, dass ich einen neuen Post geschrieben habe von folgender Adresse aus versandt: no-reply@blogger.com
Auf diese Mailadresse kann nicht geantwortet werden. Bzw. man kann schon, aber die Nachricht kommt nie bei mir an. Feedbacks, Antworten und Gedanken zu meinen Posts müssen neu entweder direkt hier im Blog in der Kommentarfunktion hinterlassen werden oder an folgende Mailadresse geschickt werden: rinaldi@cyberlink.ch
Wieso das plötzlich so ist, weiss ich auch nicht. Vielleicht weiss es jemand von euch? Jedenfalls schreibe ich dies für all diejenigen, die mir gemailt haben und nie eine Antwort von mir erhalten haben. In der Regel beantworte ich früher oder später alle meine Mails. On a du style. ;)

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Wurzeln



Während der erste Weltkrieg tobte, bauten zwei Brüder ein gemeinsames Haus. Das Geld dazu hatten sie in Amerika verdient. Ein U-förmiges Gebäude, mit dreizehn Zimmern, wovon jedes fünf mal fünf Meter mass. Durch ein grosses, gebogenes Holztor mit einem Löwenkopf als Türklopfer, betrat man es von der Via Principe di Napoli. Im Innenhof, gleich neben dem Eingang, befanden sich zwei Abstellkammern für Werkzeuge und Gerätschaften. Weiter hinten die grosse Gemeinschaftsküche mit Kamin, daneben ein bauchiger Brotofen. Ganz hinten rechts ein Plumpsklo für alle. Links davon eine Wasserzisterne, die den Bewohnern des Hauses frisches Wasser lieferte. In der Mitte des Innenhofes führte eine Steintreppe in den oberen Stock, von wo man auf die gegenüberliegende Strasse, auf die Via Principe di Piemonte blicken konnte. Hier befanden sich die Wohn- und Schlafräume der verschiedenen Familien und Paare, die im Laufe der Jahre das Haus bewohnen sollten. Dicke Steinmauern und hohe Decken hielten das Innere des Hauses im Sommer stets angenehm kühl. Im Winter hingegen wurde es manchmal so kalt und feucht, dass die Mütter vor dem Zubettgehen heisse, mit Wasser gefüllte Flaschen in die Betten der Kleinsten legen mussten. 1918, am Ende des Krieges, war auch das Haus fertig. Die beiden Brüder zogen ein. Einer von ihnen war mein Grossvater.