Montag, 13. Oktober 2014

Geburtstagswünsche


Immer noch wunderbarer Oktober und der eigene Geburtstag schon wieder Geschichte. Danke für die Zusendung diverser Herbstgedichte – auch von selbst gereimten – und dass ihr doch noch eines von Goethe gefunden habt!
Auch Geburtstagswünsche sind Heimat. Insbesondere die altbekannten, wiederkehrenden. Die, die dich in irgendeiner Form jedes Jahr erreichen. Egal, wo du oder die andere Person sich auf dieser Welt gerade befinden. Diesmal blieben sie nach drei Jahrzehnten zum ersten Mal aus. Ich weiss weshalb. Und trotzdem wäre es nicht nötig gewesen. Dieses Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn-Gehabe. Dieser Stolz. Zusammen mit den guten Wünschen zum neuen Jahr stellten sie ein Zeichen der Verbundenheit dar. Und wurden durch all die Jahre hinweg zu einem Stück Heimat. In zehn Wochen fliege ich nach Indien. Glückwünsche zum neuen Jahr nehme ich dann gerne elektronisch entgegen.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Der Herbst ist keine Jahreszeit

Der Herbst ist Heimat. Zumindest für mich. Vielleicht weil ich im Herbst geboren wurde. Satte Farben. Leuchtend und ausdrucksstark in ihrer Tiefe. Das Beste wäre jetzt ein Herbstgedicht von Goethe gewesen, aber ich habe keines gefunden.

Dienstag, 9. September 2014

Goethe sieht besser aus

... als Dante. Dies schreibt mir meine Freundin aus Italien als Kommentar zu meinem letzten Blogeintrag. Genau aus diesem Grunde würde sie viel lieber eine Büste von ihm, als eine von Dante auf ihr Bücherregal stellen. Ausserdem sei sie stolze Besitzerin sämtlicher Gedichte von Goethe. Ein Geschenk des deutschen Vizekonsuls aus Mailand als Dank für geleistete Dolmetscherdienste. Im Begleitschreiben vom 8. September 1993 steht unter anderem:

(...) La ringrazio, (...) per essere stata una interprete veramente bravissima durante la visita a Venezia dei deputati (...). Gli argomenti trattati, decisamente, non erano facili da tradurre e i due ospiti non erano sempre facili da sopportare, ma Lei è riuscita a superare queste difficoltà con altrettanto talento che grazia. (…)

Köstlich. Dass nicht nur das Thema, sondern auch die beiden deutschen Gäste eher von der schwierigen Sorte waren, wird hier direkt beim Namen genannt. Und dass die Freundin diese Schwierigkeiten nicht nur mit Bravur, sondern auch con grazia gemeistert hat. Dafür hat sie Tutte le poesie von Goethe geschenkt bekommen. Darum beneide ich sie nun.

Aber: Ich finde nicht, dass Goethe besser als Dante aussieht.

Sonntag, 7. September 2014

Bücher aufräumen und dabei etwas über Heimat verstehen

Ich habe mein grosses Bücherregal entstaubt, gereinigt und sämtliche Bücher neu eingereiht. Rechts die deutschen, links die italienischen und darüber eine Büste von Dante, die ich mir vor Jahren mal unbedingt in Florenz kaufen wollte und es auch tat. Zuunterst die anderen Sprachen. In der Reihenfolge ihrer Häufigkeit sind dies Französisch, Spanisch und Englisch. Vier Stunden hat mich diese Arbeit gekostet. Dabei bin ich gereist. Durch Geschichten und Lebensabschnitte. Ich erinnere mich an Begebenheiten, an einen Ehemann, an Liebschaften, an Freundschaften, an Wohngemeinschaften, an Stimmungen, an literarische Vorlieben. An bestimmte Sommer und Winter, in denen ich es mir zum Ziel gemacht hatte, möglichst alle oder zumindest viele Bücher eines Autors oder einer Autorin zu lesen, weil mich Stil und Handlungen faszinierten. Schon seit jeher waren mir Bücher Zuflucht, Verstehen und Heimat. Und sie sind es heute noch.
Ich stelle fest, dass ich ungefähr gleich viele deutsch- wie italienischsprachige Bücher besitze. Ich stelle fest, dass ich italienische Übersetzungen von deutschsprachigen  Autoren und umgekehrt gelesen habe. Ich stelle fest, dass links, in der italienischen Abteilung, praktisch lückenlos sämtliche Klassiker der italienischen Literatur vertreten sind. Und ich stelle fest, dass rechts, in der deutschen Abteilung, die wichtigsten deutschen Klassiker fehlen. Nicht, dass ich diese nicht gelesen hätte. Und zwar als handliche, platzsparende, preisgünstige gelbe Reclam-Ausgaben, denn es gab Lebensphasen, in denen mein Budget wenig zuliess. Doch dies ist nicht der wahre Grund. Wenn ich vor meiner Bücherwand stehe und die linke Seite betrachte, dann offenbart sich mir eine andere Wahrheit. Dass ich nämlich mein knappes Geld lieber in italienische Klassiker investierte. Mit ihnen verbinden mich nach wie vor Emotionen und die Neugier, die Wurzeln meiner Herkunft zu erforschen. Zu den deutschen Klassikern konnte ich nie eine innige Beziehung aufbauen. Ich las sie aus intellektuellem Interesse und auch weil sie im Zusammenhang mit meinem beruflichen Werdegang zur Pflichtlektüre gehörten. Bei meinen regen Wohnungswechseln konnte man die überaus praktischen Reclam-Bändchen – sprich, die deutschen Klassiker – mit ein paar wenigen Handgriffen problemlos in einen Migros-Papiersack verstauen, der mal in einem viel zu feuchten Keller zwischengelagert wurde und deshalb Jahre später der Müllabfuhr zum Opfer fiel. Tönt lieblos, ist es aber nicht. Im Gegenzug habe ich viele schöne Erinnerungen an Theateraufführungen. Goethe, Schiller, von Hofmannsthal, Eichendorff, Büchner ... Goethe mag ich. Vor allem seine Lebensgeschichte, seine Briefwechsel und seine Gedichte. Vielleicht investiere ich demnächst mal in einen schönen Gedichtband. Aber es würde mir nie in den Sinn kommen, nach Weimar zu reisen, eine Büste zu kaufen und diese auf die rechte Seite meiner Bücherwand aufzustellen.

Samstag, 23. August 2014

Nein. Das tut man nicht.


Nein, man geht in der Schweiz nicht einfach so an den Bartresen und bestellt locker-flockig einen Cappuccino. Auch im angesagten Trendquartier von Zürich nicht. Im Kreis 3, am Idaplatz. Nein, tut man nicht. Da wird einem nämlich säuerlich und mit Unterton mitgeteilt, dass die Bedienung am Tisch erfolgt. Ok, ok, habe verstanden. Sorry für diesen groben Fehler. Danke für die Belehrung. Bin wieder in der Schweiz. Softwareprogramm auswechseln. Das Problem ist nur: Es fällt mir von Mal zu Mal schwerer.

Mittwoch, 13. August 2014

Sommer-WG am Meer


Sieben Frauen und drei Kinder in einem Haus am Meer. Der Kühlschrank ist gross. Das Chaos in der Küche könnte grösser sein. Sofern wir richtig kochen würden. Aber das tun wir nicht. Keine von uns gehört der Kategorie italienische Mamma an. Jede verfolgt weiterhin ihre ganz individuellen Essgewohnheiten. Da wird eine Woche lang Joghurt mit Akazienhonig gegessen, andere gehen wie immer zum Takeaway, die Kinder werden mit frisch gekochter Pasta versorgt und ich habe in einem Laden leckere italienische Bio-Gemüsesäfte entdeckt.
Nach einer Woche hat die Sommer-WG am Meer andere Formen angenommen. Ein paar sind abgereist, die Joghurt-Diät wurde erfolgreich beendet, die Gemüsesäfte sind alle durchgetestet. Was nun?
Mittlerweile hat aber zum Glück ein mit Hingabe kochender italienischer Mann die Küche in Beschlag genommen. Matteo heisst er. Er hat sich mit unzähligen Kistchen und Tütchen voller Früchte, Gemüse und Fisch hier einquartiert. Er kocht, wir putzen die Küche. Gemüse und Früchte stammen vom eigenen Garten, der Fisch selbstverständlich vom Fischhändler seines Vertrauens. Matteo kocht schnell, konzentriert und überzeugend. Keine Kapriolen. Dafür authentische, italienische Küche. Gewürzt wird mit Salz, Pfeffer, Olivenöl und Zitrone. Exotische Gewürze wie Kurkuma werden sparsam und nur zum Unterstreichen eingesetzt. Am Tisch lehnt er sich genüsslich zurück. Wartet, bis alle geschöpft haben, lächelt zufrieden in die Runde. Beobachtet uns und sein Werk. Ich glaube fast, damit hat er schon gegessen. Das ist es, was ihn glücklich und satt macht. Grazie Matteo!



Mittwoch, 6. August 2014

Strandcafé





Flugzeuge mit Spruchbändern wie damals, als wir noch Kinder waren, gibt es keine mehr. Vermutlich wegen der schlechten Wirtschaftslage Italiens, die aber auch ihre guten Seiten hat. Die Strände sind nicht überfüllt. Viele Liegestühle bleiben leer. Zu viele, sagen die Einheimischen.
Ich liebe es, am Morgen früh alleine am Strand entlangzulaufen. Nackte Füsse auf dem Sand und im Wasser. Die Stege laden zum Verweilen ein. Den Blick in die Weite schweifen lassen. Die morgendliche Stille einatmen. Zur Belohnung gibt es Cappuccino in einem der vielen Strandcafés. Das von heute früh spielt alte, italienische Songs. Ich kenne die Texte, meine Mutter sang die Lieder beim Putzen. Ich setze mich an einen der weissen Plastiktische. Der Cappuccino ist richtig gut. Die paar wenigen Gäste sind noch ein bisschen verschlafen. Vor mir ein Meer von noch ungeöffneten Sonnenschirmen, dahinter das richtige Meer. Die Sonne brennt. Ich bin happy. Mit diesem Augenblick und mit mir selber. Es fehlt mir an nichts. Diesen Moment will ich zu einem kleinen Paket schnüren, in meinen Koffer legen und immer dann hervorholen, wenn in Zürich die graue Wolkendecke drückt.

Notabene: Ich freue mich immer sehr über Kommentare zu diesem Blog. Nachrichten, die man als Antwort an die Verteilermail-Adresse schickt, kommen nicht bei mir an (no-reply@blogger.com). Feedback und eigene Gedanken zu meinen Posts kann man direkt hier unten auf dem Blog hinterlassen oder an meine Mailadresse rinaldi@cyberlink.ch schicken.